Über ein Jahrhundert - Der Kath. Männerbund Zeilsheim
Als am 1. April 1889 Pfarrer Friedrich Sehrbrock die noch
junge selbständige katholische Gemeinde übernahm, betreute er
in dem noch stillen Bauerndorf 523 Katholiken.
Dies änderte sich schlagartig, als 1900 die Arbeiter-Kolonie
entstand und sich die Zahl der katholischen Bewohner verdoppelte, bis
1910 fast vervierfachte. "Schuld" an dieser Entwicklung war das
benachbarte Chemieunternehmen, das immer mehr Arbeitskräfte
brauchte. Viele Leute siedelten sich deshalb hier an.
1901 gründeten Zeilsheimer Protestanten den "Evangelischen
Arbeiterverein" und am 19. März 1902 war die Geburtsstunde des
Katholischen Männerbundes.
In beiden Gemeinden bestand das Bestreben, gerade den vielen zugezogenen Menschen in der Gemeinschaft etwas Heimat zu geben.
Es war die Zeit der Industrialisierung, die viele menschliche Probleme
auslöste. 1891 hatte Papst Leo XIII. die berühmt gewordene
Enzyklika "Rerum novarum" verkündet, bei der es um die
Arbeiterfrage ging. Der Papst verlangte Eigentum für Arbeiter,
eine staatliche Sozialpolitik, Selbsthilfe der Arbeitnehmerschaft und
Ablehnung des Klassenkampfes. So versuchte die Kirche sich mehr und
mehr um die Arbeitnehmer zu bemühen, besonders das Defizit dieser
Menschen an Bildung aufzuheben und ihre Teilnahme an öffentlichen
Tätigkeiten zu forcieren.
Zu dieser Zeit
entstand der Katholische Männerbund. Sein Ziel: Fortbildung und
Unterhaltung der Mitglieder zur Anregung und Pflege eines
kräftigen religiösen und bürgerlichen Sinnes und Lebens
sowie gegenseitige Hilfe in der Not.
Es gab
Höhen und auch Tiefen, die dem Bund nicht erspart blieben. Doch
herausragend war sein Bestreben, die große Kluft zwischen
Katholiken und Protestanten im Ort abzubauen und den Weg zur
Ökumene zu ebnen. 1989 wurden mit der neuen Satzung
die Aufgabengebiete des Bundes um regelmäßige Treffen,
Ausrichtung von Einkehrtagen, Gestaltung gemeinsamer Gottesdienste,
Durchführung von Studienreisen und gesellige Veranstaltungen
erweitert. Auch Frauen können nun Mitglied werden.